Gastbericht von Gerlind: Papendorfer Triathlon – den muss man mal gemacht haben! am 08.06.2013

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10-PaTria-2013

Plakat: TC Fiko Rostock

Da  meine Söhne Triathlon betreiben, dachte ich, es ist an der Zeit, dass ich diese dreifache Herausforderung auch einmal ausprobiere. Ich hatte schon dreimal bei dem von Gerd Eichler organisierten kleinen Triathlon unseres Vereins in Warnemünde mitgemacht. Da reichte ein Cityrad und Schwimmen musste man auch nicht so sehr weit (aber immerhin in der Ostsee!). Unser SV-Warnemünde-Triathlon hat für mich den Vorteil, dass die Männer längere Strecken absolvieren müssen als die Frauen und ich dadurch nicht Letzte werde.Beim Papendorfer Triathlon (PaTria) hatte ich einige Jahre als Helfer mitgewirkt und war auch schon zweimal Läuferin in unserer Vereinsstaffel. Nun wollte ich zum 10. Jubiläum endlich mal „auf’s Ganze gehen“. Eine zusätzliche Motivation war mein neues Fahrrad: kein Rennrad, nennt sich aber immerhin „Speedbike“.

Erst als ich mich nach dem Rennsteiglauf gut fühlte, meldete ich mich für den PaTria an. Rolf aus unserem Verein stand auch schon in der Teilnehmerliste. Mir bleiben noch 12 Tage, um die beiden Sportarten, die ich nicht so gut kann, zu trainieren. Da ich zu Pfingsten bei einer Radtour nach Waren schon 220 Rad-km „gesammelt“ hatte, konzentrierte ich mich zunächst auf das Schwimmen, das ich seit fast einem Jahr nicht mehr versucht hatte. Zweimal begab ich mich die Neptun-Schwimmhalle und schwamm dort jeweils ca. 1,8 km. Für die in Papendorf geforderten 650 m würde ich 20 Minuten brauchen. Ich wusste, dass die Radstrecke in Papendorf sehr anspruchsvoll ist, und fuhr dort zweimal, allerdings jeweils nur eine Runde, für die ich 15-16 Minuten brauchte. In der Ergebnisliste vom vergangenen Jahr sah ich, dass ich eine Zeit unter 1:50 Stunde erreichen müsste, um nicht Letzte zu werden. Das war unrealistisch für mich, aber ich tröstete mich damit, dass der Start in zwei Wellen erfolgen und ich in der 1. Welle starten würde, so dass ich am Ende des Feldes nicht so auffallen würde.

Am 8. Juni 2013 machte ich mich ganz langsam mit meinem Rad auf den Weg nach Papendorf. Auf dem Weg dorthin pflückte ich in Sildemow zuerst noch ein paar Erdbeeren, dann traf ich Schulle, ein altes FIKO-Urgestein, der mich ermunterte. Als ich in Papendorf ankam, sah ich erstes die wirklich attraktiven Helfer-Shirts in meiner Lieblingsfarbe Orange mit einem Frosch auf der Brust. Sofort bereute ich, mich nicht als Helfer gemeldet zu haben. Welch ein Schreck, als ich vor Ort erfuhr, dass wegen der geringen Zahl angemeldeter Teilnehmer (124 und 20 Staffeln) alle in einer Welle starten würden! Und dann bekam ich auch noch mit, dass Peter, der zukünftige Schwiegervater meines Sohnes  Felix, als Kradfahrer hinter dem letzten Radfahrer fahren würde. Ich sagte ihm gleich, dass er höchstwahrscheinlich 20 km lang hinter mir herfahren wird. Nachdem sich mein Schreck etwas gelegt und ich mich mit der Situation abgefunden hatte, begann ich mit meinen Startvorbereitungen. Felix versuchte, mich zu motivieren, indem er mir ein oranges Helfer-Shirt versprach, wenn ich finishe.

Die Stimmung der Zuschauer, Helfer und Wettkämpfer war wie immer hervorragend, die Sonne lachte und alles war bestens organisiert. Das riesige Kuchen- und Obstbüfett stand bereit. Das Wasser der Erdkuhle hatte fast 20°C (das gab’s lange nicht mehr). Den vielen Neoprenschwimmern würde wahrscheinlich ganz schön warm werden … Als der Startschuss fiel, durften zuerst die Staffelschwimmer ins Wasser. Als der letzte von ihnen vom Dreieckskurs in den Viereckskurs wechselte, liefen alle anderen in die Erdkuhle. Ich hatte den Rat von Felix befolgt und war in meiner Laufhose gestartet. Leider hatte ich die am Bauch nicht eng genug zugebunden, sodass Wasser hineinlief und ich mich nach unten gezogen fühlte …

Nach den ersten hektischen 100 m ließ ich das Feld ziehen, machte lange Brustschwimmzüge und erinnerte mich daran, dass ich unter Wasser ausatmen wollte. Einen Schwimmer konnte ich sogar noch überholen und kam als Drittletzte aus dem Wasser. Dann ging es über den grünen Teppich in die Wechselzone, wo mich Felix anfeuerte, aber natürlich nicht helfen durfte. Nun musste alles schnell gehen: Badekappe ‚runter, Shirt überziehen, trinken, Füße abtrocknen, Socken und Schuhe anziehen, Fahrrad schnappen. Dafür brauchte ich wohl etwas zu lange (na ja, nie geprobt …), denn schon als ich auf mein Rad aufstieg, hörte ich hinter mir das Geknatter von Peters Moped, das mich nun vier Runden (21 km) lang begleitete. Am Ende meiner 1. Runde überholten mich viele Teilnehmer, u.a. Hauke, der mir ein „Heppa, heppa“ zurief. Für ihn war das seine letzte Radrunde.

Der PaTria ist gerade wegen seiner bergigen Radstrecke gefürchtet. Die ersten Berge nahm ich noch locker, allerdings waren die Beine schon vom Schwimmen ziemlich schwer. Aber am letzten steilen Berg, der zur Autobahnbrücke führt, verschaltete ich mich und musste absteigen. Das war mir zwar peinlich, aber wenigstens konnte es nur Peter sehen. Auf der zweiten Hälfte der Strecke zurück nach Papendorf geht es zwar größtenteils bergab, allerdings kann man wegen einiger scharfer Kurven das Rad nicht einfach rollen lassen. Bremsen war also für mich unerlässlich, da ich die Erzählungen über die Stürze anderer Sportler noch gut in Erinnerung hatte. Auch in meiner 2. Runde musste ich mich noch vor den heranrasenden Fahrern in Acht nehmen. Aber als ich meine 3. und 4. Runde fuhr, wurde es deutlich ruhiger. Nun ein Huhn lief kurz vor mir über die Straße. So kam ich wenigstens nicht in Verdacht, das Windschattenfahrverbot zu übertreten 😉 Auf der 4. Runde verabschiedete ich mich von einigen Helfern an der Strecke und entschuldigte mich, dass sich durch mich ihr Feierabend verzögerte. „Nö, ist doch toll hier. Wir wollen gar keinen Feierabend“, riefen sie mir zu.

Nachdem ich heil im Wechselgarten angekommen war und von Felix und Hauke angefeuert wurde, kam meine leichteste Übung: das Laufen. Diesmal fuhr ein Radfahrer vor, hinter bzw. neben mir her. Natürlich erreichte ich nicht annähernd die Laufzeit, die ich in den Vorjahren als Staffelläuferin geschafft hatte, denn auch die Laufstrecke hatte man über einen kleinen Berg geführt. Aber das war für mich nebensächlich, denn ich kämpfte ja schon seit 1,5 Stunden nur noch gegen mich selbst und Aufgeben war von Anfang an keine Option gewesen. Ich finishte glücklich und sogar noch unter 2 Stunden, bekam ein rotes Finisher-Handtuch umgehängt und fühlte mich nicht halb so platt wie nach einem Marathon. Nachdem Rolf und ich uns mit Kaffee und Kuchen gestärkt hatten, gab es für uns die Altersklassensiegerehrung, bei der wir sogar 2 Podestplätze für den SV Warnemünde erobern konnten.

Gerlind Michaelis

Kategorie: Gastberichte | Tags:

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