Gastbericht von Klaus: 11. Rostocker Marathonnacht

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Die 11. Rostocker Marathonnacht war wieder ein sportliches Großereignis in der Hansestadt.

Ich entschied mich, als Staffelläufer der „Tenne-Runners“ (Verein „Auf der Tenne“ e.V. – mein früherer Arbeitgeber) mit dabei zu sein. Ich tat es Simone, der Cheforganisatorin der Staffel, zuliebe. Startläufer wollte ich wieder sein, so daß ich nach den anfänglichen fünf Kilometern meine „Ruhe“ hatte und die Atmosphäre an Start und Ziel genießen konnte.Es kam alles ganz anders:
Durch den Ausfall eines Staffelläufers wurden „die Karten neu gemischt“ und die Streckenaufteilung verändert. Ich hatte den dritten Abschnitt von ca. 7 km vom Fähranleger Gehlsdorf bis zum Fähranleger Oldendorp auf einem recht verzackten Kurs zu laufen. Das setzte zunächst den Transfer mit der Fähre zu meinem Startort voraus. Von meinem Staffelziel aus wollte ich entlang des Gehlsdorfer Ufers gemütlich zu Start und Ziel auf dem Rostocker Neuen Markt zurücktraben. Der offizielle Rücktransfer war mir zu spät.

Unser Läufer, den ich ablösen sollte kam früher als erwartet und meine Einlaufprozedur war noch nicht beendet. Also fast mit Kaltstart los. Wie läuft man sieben Kilometer?
70 km zu laufen, das hätte ich im Gefühl aber eine sieben Kilometer Sprintstrecke, das wusste ich nicht. Ich lief zu schnell an. Winfried, unser Staffelbetreuer fuhr mit dem Rad nebenher und lobte mein Tempo. Ich wusste, es war zu schnell, wollte mich aber nicht hängen lassen und hielt die Geschwindigkeit. Vor Anstrengung machte ich mir fast in die Hose und war froh als Winfried sagte: „Ich fahre schon vor und sag Bescheid, daß du gleich da bist!“ „Wie weit ist es denn noch“, fragte ich ihn. „Etwa 1,5 km! Mach nochmal Dampf. 150 m hinter dir sind zwei, die wollen dich überholen!“

Naja, dachte ich, anderthalb Kilometer noch sind keine Entfernung also weiter in dem Tempo. Erst nach zweimal anderthalb Kilometern sah ich die Wechselstelle und mein Ziel. Dem „Exitus“ nahe, taumelte ich ins Ziel und schickte meine Ablösung auf die Rennstrecke. Ich verkroch mich in einem Gebüsch, ließ mich auf die Knie fallen und versuchte, so zu regenerieren. Simone, unsere Staffelchefin war auch an diesem Wechselpunkt. Ich sah sie besorgt hin und her laufen, mich suchend. Etwas regeneriert trat ich an die Öffentlichkeit. Simone meinte, daß sich eine heftige Regenfront nähern und in diesem Zusammenhang es bald damit losgehen werde. Der Blick zu Himmel bestätigte das.

Ich wusste, eine Lauffreundin stand zu diesem Zeitpunkt am Bahnhof in Lütten Klein und erwartete zwei Staffelläuferinnen, die sie zu Start und Ziel auf den Neuen Markt bringen wollte. Ich rief sie an. Sie wollte auf mich warten. Also Startnummer ab, um Irritationen der Kampfrichter zu vermeiden, und weiter lief ich mit dem Strom der Marathonis durch den Warnowtunnel Richtung Lütten Kleiner Bahnhof. Der Platzregen hatte bereits eingesetzt und es gab an mir keinen trockenen Faden.
Der Warnowtunnel trägt Autobahncharakter und somit gab es links und rechts keinen Rad- oder Fußweg, den ich benutzen konnte. Die Marathonläufer waren bereits auf ihrer Strecke in den IGA-Park abgebogen. Ich entschied mich dann für einen Radweg Richtung Groß Klein, umlief den IGA-Park weiträumig und erreichte meine „Zielperson“, die bei meinem Anblick nur still den Kopf schüttelte. Aus dem 7 km-Teilstück der Staffel wurde somit ein Halbmarathon für mich.
Von 54 Staffeln belegten wir den neunten Platz mit fast gleicher Zeit wie die Jahre zuvor. Ein Siegerfoto unserer Staffel mit dem Handy konnte ich nicht machen, es hatte seinen Geist im Platzregen aufgegeben. – Mein Preis für dieses schöne Abenteuer.

Mein Lauffreund Andy Schümann lief den kompletten Marathon, lächelnd und entspannt wie immer, in einer neuen persönlichen Bestzeit. Transferstress, wie ich, hatte er nicht.

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