{"id":4632,"date":"2013-10-10T18:43:59","date_gmt":"2013-10-10T16:43:59","guid":{"rendered":"http:\/\/www.sprintefix.de\/?p=4632"},"modified":"2013-10-10T19:07:48","modified_gmt":"2013-10-10T17:07:48","slug":"gastbericht-berlin-marathon-am-29-09-2013-vom-doberanner","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.sprintefix.de\/?p=4632","title":{"rendered":"Gastbericht von Wolfgang &#8222;Doberanner&#8220;: Berlin-Marathon am 29.09.2013"},"content":{"rendered":"<div style=\"width: 480px\" class=\"wp-caption alignnone\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"ngg-singlepic ngg-none   \" alt=\"img_3737\" src=\"http:\/\/www.sprintefix.de\/wp-content\/gallery\/2013-05-01-4-mollilauf-bad-doberan\/img_3737.jpg\" width=\"470\" height=\"313\" \/><p class=\"wp-caption-text\">Wolfgang &#8222;Doberanner&#8220; beim Mollilauf am 1. Mai 2013<\/p><\/div>\n<p>Endlich war der Tag gekommen, auf den ich ein ganzes Jahr lang hingearbeitet habe. Sonntag, der 29.09.2013 war das Datum schlechthin f\u00fcr mich seit dem 25.Oktober des letzten Jahres, als ich mich f\u00fcr den Berlin-Marathon 2013 angemeldet habe und innerhalb von 3 \u00bd Stunden alle 40000 Startpl\u00e4tze vergeben waren.<!--more--><\/p>\n<p>Zur Unterst\u00fctzung waren meine Frau und meine zw\u00f6lfj\u00e4hrige Tochter mit nach Berlin gekommen, au\u00dferdem wollten wir uns noch mit meiner Schwester und ihrem Mann treffen, weil mein Neffe zum zweiten Mal den Marathon laufen wollte. Ebenso seine Freundin aus Schweden und ihre zwei Schwestern und Eltern, die schon vor ein paar Tagen aus Stockholm nach Berlin gekommen waren. Wir sind am Sonnabend mit dem Zug angereist und ich hatte im Voraus eine einfache Pension in der N\u00e4he des Kurf\u00fcrstendamms gebucht.<\/p>\n<p>Eine Nacht in Berlin ist ja Pflicht, weil sp\u00e4testens am Sonnabend die Startnummer auf der Messe \u201eBerlin Vital\u201c abgeholt werden muss. Das klappte am Nachmittag problemlos. Anschlie\u00dfend waren wir noch zum Pastaessen zu den anderen eingeladen worden. Um 6 Uhr bin ich aufgestanden. Zum Fr\u00fchst\u00fcck a\u00df ich 3 Honigbr\u00f6tchen und eine Banane. Dazu trank ich entsprechend den Vorgaben, was man alles am Wettkampftag machen soll, etwa einen Liter Wasser. Mit meiner Schwester hatte ich mich noch unterhalten und sie sagte, dass das mit dem Trinken auch oft \u00fcbertrieben wird.<\/p>\n<p>Ich wollte mit dem Austreten unterwegs keine Sorgen haben und so trank ich jetzt nicht mehr soviel. Meine beiden Frauen konnten noch liegen bleiben, denn sie brauchten noch nicht mit mir los. Sie fuhren sp\u00e4ter mit der S-Bahn zum vereinbarten Treffpunkt mit den Anderen am Kilometer 12, dem Strau\u00dfberger Platz. Um 7:20 Uhr nahm ich meinen vollgepackten BMW-Marathonbeutel und ging zur S-Bahn.<\/p>\n<p>Das Wetter war nahezu ideal f\u00fcr den heutigen Lauf. Die Sonne schien, nur ein leichter Wind wehte, allerdings war es morgens doch noch sehr kalt, ich war froh, dass ich die alte Joggingjacke, die ich sp\u00e4ter wegschmei\u00dfen wollte, \u00fcberziehen konnte. Auf dem Weg zur S-Bahn-Station \u201eSavignystra\u00dfe\u201c traf ich gleich an der n\u00e4chsten Stra\u00dfe einen anderen Marathonl\u00e4ufer. Wir gingen zusammen zur S-Bahn und unterhielten uns angeregt \u00fcber das bevorstehende Gro\u00dfereignis.<\/p>\n<p>Ich erz\u00e4hlte, dass ich zum ersten Mal dabei bin und dass ich zuletzt vor 25 Jahren aus einer verr\u00fcckten Idee heraus ohne lange Vorbereitung einen Ultramarathon, die 64 Kilometer beim Rennsteiglauf, gelaufen bin. Er sagte, er kommt eigentlich aus Schweinfurt und l\u00e4uft heute seinen 21.Berlin-Marathon. So verging die Zeit in der S-Bahn bis zum Hauptbahnhof wie im Fluge, schon waren wir zusammen mit tausenden anderen L\u00e4ufern auf dem Weg ins Startgebiet. Am Eingang zum abgesperrten Bereich wurden das B\u00e4ndchen und die Startnummer kontrolliert und dann waren wir mitten drin unter tausenden anderen Marathonl\u00e4ufern.<\/p>\n<p>Die meisten hatten diese provisorische M\u00fcllt\u00fcte dr\u00fcbergezogen und viele froren heftig. Bei einem Fotografen sagte Thomas, so hie\u00df mein Begleiter, los, jetzt machen wir noch schnell ein Bild von uns beiden, das k\u00f6nnte man sp\u00e4ter unter marathonfoto.com ansehen und kaufen. Dann verabschiedeten wir uns und w\u00fcnschten uns gegenseitig einen guten Lauf. Ich begab mich zu meiner Gep\u00e4ckstelle, wo ich mein B\u00fcndel abgeben konnte. Es war noch reichlich Zeit und so schlenderte ich ganz gem\u00fctlich in Richtung Startbereich und genoss diese einzigartige Atmosph\u00e4re. Tausende L\u00e4ufer pr\u00e4parierten sich auf ihre Weise f\u00fcr den gro\u00dfen Lauf, man sah die unterschiedlichsten Laufsachen, Trinkflaschengurte, Trinkrucks\u00e4cke, exotische Laufklamotten, kr\u00e4ftigere und ganz schm\u00e4chtige L\u00e4ufer, aus der ganzen Welt waren die Sportler angereist, um hier heute den Berlin-Marathon mitzumachen.<\/p>\n<p>Ich wunderte mich nur, was manche so alles mitschleppen, insbesondere die Getr\u00e4nke, auf die einige offenbar nicht verzichten k\u00f6nnen. Es gibt unterwegs doch genug. Kurzfristig entschied ich mich, das Handy doch dabei zu behalten, so konnte ich noch in aller Ruhe mit meiner Schwester telefonieren und auch f\u00fcr unterwegs war es vielleicht nicht schlecht, wenn man das Handy dabei hat. Im Gegensatz zu dem, was andere da so am K\u00f6rper trugen, war das Handy dann doch recht wenig, was ich mitnahm. Auf dem Weg zum Startbereich muss man \u00fcber die gro\u00dfe Wiese vor dem Reichstag und da gab es Gelegenheit, nochmal schnell ohne Anstehen in den Busch zu gehen.<\/p>\n<p>Und dann war ich auch schon im Startbereich des Blockes H angekommen. Die Stra\u00dfe des 17.Juni war nat\u00fcrlich voller Menschen und ich arbeitete mich etwas weiter nach vorne, denn dieser Block ist ja f\u00fcr L\u00e4ufer mit einer Zeit von 4:15 und aufw\u00e4rts vorgesehen. So dachte ich, mit meiner ungef\u00e4hren Zielzeit von 4 Stunden ist es besser, wenn ich schon mal etwas weiter vorne stehe. Die Stimmung war einzigartig, auf hohen Podesten waren Animationsfrauen beim Vorturnen von Aufw\u00e4rm\u00fcbungen und die L\u00e4ufer machten begeistert mit. Ein Moderator war \u00fcber Lautsprecher zu h\u00f6ren und heizte die Massen an. Inzwischen war ich vorne am Ende des Blocks G angekommen und so hatte ich meine optimale Startposition gefunden.<\/p>\n<p>Es war immer noch viel Zeit bis zum Start. Der Ansager begr\u00fc\u00dfte jetzt die Top-L\u00e4ufer aus der ganzen Welt, als Ehreng\u00e4ste waren zahlreiche fr\u00fchere Sieger da, unter anderem Uta Pippig und Haile Gebrselassie, der sp\u00e4ter auch den Startschuss abgab. Ich musste jetzt nochmal austreten und nutzte nun die Dixis an der Seite. Dass brauchte eine Weile, eh ich rankam, aber Zeit war auch daf\u00fcr noch gen\u00fcgend. Dann musste ich nochmal r\u00fcber \u00fcber die Absperrung und mitten rein in den Block. Um mich herum standen viele L\u00e4ufer aus D\u00e4nemark, die gr\u00f6\u00dfte ausl\u00e4ndische Fraktion beim Berlin-Marathon sind ja traditionell die D\u00e4nen mit \u00fcber 5000 L\u00e4ufern. Und als ich unter tausenden L\u00e4ufern im Startblock stand, ging mir nochmal alles durch den Kopf, die ganze Vorbereitung und das Training, und jetzt bin ich hier und darf gleich starten.<\/p>\n<p>Gl\u00fccksschauer \u00fcberkamen mich und ich war tats\u00e4chlich den Tr\u00e4nen nahe. Welch ein Moment. Die erste Startzeit 8:45 n\u00e4herte sich unaufhaltsam und der Countdown lief. Dann endlich gab es vorne den ersten Startschuss von Haile Gebrselassie und der Block A mit den Kenianern konnte loslaufen. Gesehen habe ich davon nichts, nur zu h\u00f6ren war alles. Jubel kam auf und die Stimmung hob noch mal an. Die zweite Welle waren die Startbl\u00f6cke B bis G, eine Viertelstunde sp\u00e4ter, also um 9 Uhr. Und dann endlich kam der letzte gro\u00dfe Block an die Reihe, die Menschenmasse setzte sich gem\u00e4chlichen Schrittes in Bewegung in Richtung Startbereich. Dabei wurde eine sehr eindringliche Musik gespielt, so, als wenn Spartacus in den Kampf zieht. Das war ein sehr einpr\u00e4gsamer Vorw\u00e4rts-Marsch, diese Melodie muss ich mir noch irgendwie besorgen.<\/p>\n<p>Und nahezu flie\u00dfend kam man vom zu Fu\u00df gehen in den Laufschritt, vorne ert\u00f6nte der Startschuss f\u00fcr die dritte Welle und endlich endlich ging es los. Jetzt wurde \u201eI just can say hello\u201c gespielt, dieser Beat passte genau. Ich trabte locker los und achtete beim Passieren der Startmatte darauf, meinen Garmin-Forerunner in Gang zu setzen. Ich hatte ihn vorher auf \u201eVirtual Partner\u201c gestellt, und zwar mit der Pace von 5:40 pro Kilometer. Das war genau der Schnitt, den ich brauchte, um meinen Traum zu erreichen, unter 4 Stunden zu bleiben. Ganz locker und entspannt habe ich begonnen. Es ging erstmal an der Starttrib\u00fcne vorbei. Von der Prominenz habe ich beim Vorbeilaufen keinen einzigen Bekannten auf die Schnelle erkennen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Voraus war die Siegess\u00e4ule zu sehen, dort ging es links und rechts vorbei und weiter bis zum Ernst-Reuter-Platz. L\u00e4ufer \u00fcber L\u00e4ufer waren um mich herum und ich musste immer wieder aufpassen, mit Niemandem zu kollidieren. Das blieb eigentlich bis zum Schluss so. Bei jedem Kilometer schaute ich auf meinen Forerunner, um ja nicht zu schnell anzufangen. Ich denke, so jetzt im Nachhinein habe ich es genau richtig gemacht mit dem Tempo, denn ich lief sehr konstant, meine Kilometerschnitte bewegten sich nur in einem Bereich von 5:25 bis 5:50.<\/p>\n<p>Die ersten etwa 20 Kilometer hatte ich immer den Eindruck, dass ich ganz locker und ruhig meine Bahn ziehe, immer mit dem Gef\u00fchl, ich k\u00f6nnte eigentlich noch viel schneller laufen. Am ersten Getr\u00e4nkepunkt nahm ich nur einen kleinen Schluck Wasser, den ersten Verpflegungspunkt lie\u00df ich aus. Etwa bei Kilometer 8 fiel mir ein, dass ich am Donnerstag noch mit Herrn Aschendorf*, einem nun schon jahrelangen guten Partner auf Arbeit in Sachen Softwarebetreuung, telefoniert hatte.<\/p>\n<p>Die f\u00fcr uns zust\u00e4ndige Firma hat ihren Hauptsitz in Berlin und Herr Aschendorf* ist einer der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer. Nat\u00fcrlich kamen wir bei dem Telefonat auf den Berlin-Marathon zu sprechen und er sagte, dass er diesmal als Helfer an der Strecke ist, und zwar etwa zwischen Kilometer 4 und 9. Also dachte ich, kann ich ja mal nach ihm Ausschau halten, bei der Menschenmenge ist es ja nahezu unm\u00f6glich, dass ich ihn sehe. Aber so hat man seine Besch\u00e4ftigung w\u00e4hrend des Laufens. Und der Zufall wollte es tats\u00e4chlich so, dass ich ihn pl\u00f6tzlich an meiner Seite auf dem B\u00fcrgersteig langgehen sah.<\/p>\n<p>Schnell rief ich ihn und so haben wir uns doch wirklich gesehen. Minutenlang konnte ich das gar nicht fassen und auch sp\u00e4ter musste ich immer wieder dran denken, dass es doch ein gro\u00dfer Zufall war. Ein wenig sp\u00e4ter erkannte ich direkt an der Strecke den SPD-Politiker Wolfgang Thierse, der, glaube ich, im Prenzlauer Berg wohnt. Jetzt ging es weiter im Ostteil Berlins und meine n\u00e4chste Marke, auf die ich hinarbeitete, war der Strau\u00dfberger Platz bei Kilometer 12. Dieser Platz ist ein gro\u00dfer Kreisel und meine Leute wollten dort links stehen. So hielt ich mich konsequent am linken Rand des L\u00e4uferfeldes.<\/p>\n<p>Die Sonne blendete von vorne, aber ich entdeckte meine Schwester in den Zuschauerreihen. Meine Tochter hatte den Fotoapparat auf Video gestellt und filmte mein Vorbeilaufen. Der kurze Film ist jetzt sehr sch\u00f6n anzuschauen, die tolle Atmosph\u00e4re und die tausenden vorbeilaufenden Marathonl\u00e4ufer. Ich f\u00fchlte mich noch frisch und frei und lief weiter gleichm\u00e4\u00dfig. Jetzt ging es am Alex vorbei und wieder in den Westteil. Die n\u00e4chste Stelle, wo die Anderen hinfahren wollten, war Kilometer 32 am Fehrbelliner Platz. Das war auch f\u00fcr mich der n\u00e4chste Meilenstein, auf den ich jetzt hinarbeitete.<\/p>\n<p>Bis etwa Kilometer 25 merkte ich noch gar nichts von Anstrengungen, es ging immer flott vorw\u00e4rts. Ab und zu gibt es auch mal Engp\u00e4sse durch das dichte L\u00e4uferfeld, zum Beispiel, wenn vor mir eine Reihe L\u00e4ufer etwa das gleiche Tempo lief, was aber f\u00fcr mich zu langsam war. Dann musste ich sehen, wie ich vorbeikomme und so l\u00e4uft man dann eben doch \u00f6fter mal Zick-Zack und nicht immer die Ideallinie, die st\u00e4ndig mit 3 blauen Strichen auf der Stra\u00dfe zu sehen war. Auf den letzten Zwanzigern hatte ich ab und zu mal ganz kleine \u201eH\u00e4nger\u201c, weil ja noch so viel zu laufen war und es so langsam an die Reserven ging.<\/p>\n<p>Aber es gab immer wieder die Bands am Stra\u00dfenrand und die tausenden Zuschauer, von denen ich mir Kraft holen konnte. An der einen Stelle war eine Band unter einer Br\u00fccke, die trommelten aus Leibeskr\u00e4ften und hatten dazu noch etwa 10 Megaphons, mit denen sie uns L\u00e4ufern einheizten. Das war ein sagenhafter Schub, der einen wieder kilometerlang weitertrug. Im \u00dcbrigen kam mir der gesamte Lauf ein wenig wie der Kopenhagen-Marathon vor, so oft sah ich die rot-wei\u00dfe D\u00e4nemarkfahne, rot-wei\u00df gekleidete Zuschauer und h\u00f6rte immer wieder \u201eDenmark, Denmark\u2026\u201c.<\/p>\n<p>Allein bei diesem Marathon waren 6231 D\u00e4nen dabei. Inzwischen nutzte ich auch die Verpflegungspunkte, um dort Wasser zu trinken und Bananenst\u00fccken zu essen. Von diesem Power-Bar-Zeug wollte ich nicht so recht was nehmen, weil ich dieses Backszeug minutenlang im Mund haben w\u00fcrde ohne was nachzutrinken. Einmal gab es einen ganzen Abschnitt, wo Power-Bar-Tuben ausgegeben wurden, allerdings konnte ich nicht sehen, ob es dazu auch was zu trinken gab. So lie\u00df ich auch diesen Stand aus. Bemerkenswert war aber der Zustand der Stra\u00dfe danach. Die tausenden weggeworfenen Restpackungen klebten auf der Stra\u00dfe und die Turnschuhe backten ebenfalls kilometerlang, ein einzigartiges Klebger\u00e4usch ergab das.<\/p>\n<p>Von der Stadt nahm ich nur noch wenig war. Wir hatten uns vorher noch dar\u00fcber unterhalten, ob es wohl m\u00f6glich w\u00e4re, unterwegs mal kurz auszutreten. Und es hie\u00df, das w\u00fcrde wohl nicht gehen, weil die ganze Strecke voller Zuschauer steht. Ich habe aber mehrmals M\u00e4nner gesehen, die vor allem auf dem begr\u00fcnten Mittelstreifen der Stra\u00dfe am Busch oder Baum standen. Also, im Notfall h\u00e4tte ich auch fix mal gehen k\u00f6nnen. Aber ich brauchte letztendlich nicht ein einziges Mal w\u00e4hrend des gesamten Marathonlaufes an die Seite. Jetzt war schon Kilometer 32 in Sichtweite und ich orientierte mich allm\u00e4hlich auf die rechte Seite.<\/p>\n<p>Am Fehrbelliner Platz geht es links rum und ich lief deutlich rechts au\u00dfen, immer Ausschau haltend nach den Vieren. Und wieder sah ich zuerst meine Schwester, dazu die anderen. Wir freuten uns riesig, dass wir uns erneut sehen konnten, das schafft man n\u00e4mlich nicht immer. Ich lief schnell r\u00fcber zu ihnen und sagte \u201eNoch zw\u00f6lf Kilometer\u201c. Das war nat\u00fcrlich Quatsch, ich konnte also schon nicht mehr richtig rechnen, denn bei Kilometer 32 sind es ja wohl nur noch 10 Kilometer bis zum Ziel. Die Begegnung hat mir danach unheimlich Auftrieb gegeben, denn die folgenden eigentlich sehr harten Kilometer konnte ich einigerma\u00dfen gut hinter mich bringen.<\/p>\n<p>So richtig schwer wurde es erst wieder ab etwa Kilometer 37. Jetzt lief ich schon am Limit und dachte nur noch daran, dass es doch bald zu Ende sein m\u00f6ge. Dann war der Kurf\u00fcrstendamm erreicht. Hier war viel los, sehr viele Zuschauer s\u00e4umten die Stra\u00dfe und ich wusste, was noch vor mir lag. Erstmal bis zum Gendarmenmarkt und erst dahinter geht es in Richtung \u201eUnter den Linden\u201c. Meine Obergrenze war so gut wie erreicht.<\/p>\n<p>Bei Kilometer 41 schaute ich auf meinen Forerunner und hatte 3:53 auf der Uhr. Noch 7 Minuten blieben mir f\u00fcr den Rest und jetzt setzte ich nochmal alles daran, die Traummarke zu schaffen. Das war der h\u00e4rteste Abschnitt des gesamten Marathons. Deshalb konnte ich jetzt auch nicht mehr richtig das Durchlaufen des Brandenburger Tores genie\u00dfen. Dementsprechend sehen auch meine Fotos vom Zieleinlauf aus. Freude, Gl\u00fcck und Jubel sehen anders aus. Auch die 200 Meter danach war ich kurz vorm Umfallen, dann war es geschafft, bei sagenhaften 3:59:50 stoppte ich meine Uhr. Sensationell, eine Punktlandung vom Allerfeinsten, 10 Sekunden vor der 4-Stunden-Marke.<\/p>\n<p>Ich h\u00e4tte sofort vor Freude \u00fcber die \u201e3\u201c vorne in die Luft springen m\u00fcssen, aber ich war erstmal derma\u00dfen kaputt, dass ich zun\u00e4chst nur mit mir selbst zu tun hatte, um wieder einigerma\u00dfen auf den Damm zu kommen. Es gab gleich nach dem Zieldurchlauf die Medaille und dann eine gelbe Folie als W\u00e4rmeschutz. Jetzt wurde mir richtig schlecht und ich hielt mich links in der N\u00e4he des Zaunes, damit ich mich im Notfall schnell dort \u00fcbergeben kann. Die \u00dcbelkeit hielt ein paar Minuten an und ich hatte Brechreiz. Es kam dann aber doch nichts und nachdem ich noch einen Schluck Wasser getrunken hatte, ging es allm\u00e4hlich wieder aufw\u00e4rts. In dieser \u00dcbelkeitsphase klingelte auch zweimal mein Handy, aber ich war einfach noch nicht in der Lage, mit den anderen zu sprechen. Jetzt kamen aber die Gef\u00fchle \u00fcber mich, das Ganze zu begreifen und diesen haarscharfen Zieleinlauf Revue passieren zu lassen.<\/p>\n<p>Die Freudentr\u00e4nen liefen und es waren die gro\u00dfartigsten Momente seit Jahren, die ich nun erlebte. Welch ein gro\u00dfer Lauf, die 4 Stunden-Marke doch geschafft zu haben, die lange Vorbereitung hatte sich gelohnt. Minutenlang konnte ich nicht ruhig werden. Beim weiteren Vorw\u00e4rtsgehen sagte ein Betreuer, wahrscheinlich als er mich sah, dass jetzt nach dem geschafften Lauf auch wieder Zeit w\u00e4re, ein \u201efreundliches Gesicht\u201c zu machen. Ich muss in dem Moment eigenartig ausgesehen haben, so vor Gl\u00fcck heulend. Wenn der gewusst h\u00e4tte, warum ich so aussehe. Jetzt war ich soweit, die anderen zu sprechen und griff zum Handy. Sie waren inzwischen am Familientreffpunkt vor dem Reichstag und warteten auf alle, die das Ziel erreicht hatten.<\/p>\n<p>Auf dem Weg Richtung Gep\u00e4ckzelte gab es nochmal einen Beutel mit allerlei L\u00e4ufermaterial. Die gelbe Folie war jetzt Gold wert, denn so allm\u00e4hlich begann ich zu frieren. Mit sehr behutsamem Schritt erreichte ich meine Gep\u00e4ckbox und nahm meinen vollgepackten Beutel entgegen. Zitternd suchte ich mir ein Pl\u00e4tzchen an den gr\u00fcnen Hecken auf der Wiese vor dem Reichstag, breitete meine Folie aus und holte meine frischen Sachen heraus. Eigentlich wollte ich jetzt zu den Duschzelten gehen, aber der Weg erschien mir nun viel zu weit, au\u00dferdem war mir f\u00fcrchterlich kalt, so dass ich mir sofort die kompletten Sachen angezogen habe.<\/p>\n<p>Ich dachte, frisch machen kann ich mich vielleicht noch auf dem Hauptbahnhof. Au\u00dferdem wollte ich ganz schnell zu den Anderen. Also habe ich mich jetzt hier im abgesperrten Bereich nicht mehr lange aufgehalten und ging zum Ausgang am Familientreffpunkt. Ich fragte noch, wo ich den Championchip abgeben k\u00f6nnte. Das war drau\u00dfen und dann fasste ich den Entschluss, den Chip zu behalten. Er kostete 6 Euro Miete und wenn man ihn beh\u00e4lt, kann man ihn bei vielen gro\u00dfen Laufveranstaltungen wieder nutzen. Sp\u00e4testens jetzt war mir klar, dass das mit dem Marathon erst der Anfang nach 25 Jahren war.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chsten Jahre werde ich versuchen, solche tollen sportlichen Gro\u00dfereignisse immer wieder mitzumachen. So habe ich den Chip jetzt und konnte ihn schon bei der Anmeldung f\u00fcr den n\u00e4chsten Marathon einsetzen. Allerdings wird demn\u00e4chst noch eine Nachforderung von 25 Euro auf mich zukommen. Dann passierte ich die Ausgangsschleuse und verlie\u00df den abgesperrten Bereich in Richtung Familientreffpunkt.<\/p>\n<p>Dort sind die Buchstaben alphabetisch angeordnet und wir wollten uns alle bei \u201eK\u201c treffen. Schnell fand ich die anderen und wir fielen uns alle gl\u00fccklich in die Arme. Mit \u201eK\u201c f\u00e4ngt ja auch Kiesendahl an und der Zufall wollte es, dass mir der Fred Kiesendahl \u00fcber den Weg lief. Wir begr\u00fc\u00dften uns kurz und er sagte, er sei \u201enur\u201c 4:30 gelaufen, weil er nicht ordentlich trainieren konnte. Wir verabschiedeten uns bis zum n\u00e4chsten Lauf.<\/p>\n<p>Wenig sp\u00e4ter ging es mit ganz gem\u00fctlichem Schritt Richtung Hauptbahnhof, um den n\u00e4chstbesten Zug Richtung Rostock oder Wismar zu nehmen. Zu Hause schaute ich gleich ins Internet und sah, dass meine gestoppte Zeit exakt mit der offiziellen \u00fcbereinstimmte. Ich wurde insgesamt 15896zigster, also war ich in der ersten H\u00e4lfte. In meiner Altersklasse M50 wurde ich 1999zigster, wenn das nichts ist, noch unter den besten 2000. Das war ein einzigartiges Lauferlebnis und so habe mich gleich f\u00fcr das kommende Jahr wieder registriert, in der Hoffnung, Gl\u00fcck beim Auslosen der Startpl\u00e4tze zu haben. Weil mir das allerdings etwas zu unsicher ist, habe ich mich auch gleich noch f\u00fcr den Hamburg-Marathon am 4.Mai 2014 angemeldet.<\/p>\n<p>Sportliche Gr\u00fc\u00dfe<br \/>\nEuer &#8222;Doberanner&#8220;<br \/>\nWolfgang Sch\u00fcmann<\/p>\n<iframe src=\"http:\/\/www.facebook.com\/plugins\/like.php?href=https%3A%2F%2Fwww.sprintefix.de%2F%3Fp%3D4632&amp;layout=standard&amp;show_faces=true&amp;width=450&amp;action=like&amp;colorscheme=light\" scrolling=\"no\" frameborder=\"0\" allowTransparency=\"true\" style=\"border:none; overflow:hidden; width:450px;margin-top:5px;\"><\/iframe>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Endlich war der Tag gekommen, auf den ich ein ganzes Jahr lang hingearbeitet habe. 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