8. Marathon du Beaujolais in Villefrance am 17.11.2012 Teil 2/2

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Teil 2 – Der Lauf und danach

Impressionen vom Lauf:
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Impressionen danach:
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Vor dem Schlafengehen vertraten wir uns noch die Füße bei einem kleinen Abendspaziergang durch das nächtliche Villefranche. Vor dem Rathaus wurde bereits für die Lichtershow am nächsten Tag geprobt. Das sah schon recht vielversprechend aus.

Zurück im Hotel legte ich schon mal meine Sachen für den bevorstehenden Marathon bereit. Dann wurde es aber auch Zeit für die Nachtruhe. Auf 6:30 Uhr hatte ich den Wecker gestellt, damit wir vor unserem Abmarsch zum Shuttle-Bus nach Fleurie nicht schon in unnötige Hektik verfallen müssen.

Nach dem Weckerklingeln prüfte ich dann erst mal meine Verfassung, Ergebnis: es geht mir gut 🙂 . Keine Kopfschmerzen, kein Halskratzen und auch die Nase tropfte nicht mehr. Sicherheitshalber nahm ich dann aber doch noch meine Halstropfen. Das kann ja nicht schaden…

Gudrun und ich gingen kurz nach sieben Uhr zum Frühstück herunter. Hier saßen fast nur die Marathonis, da die anderen Strecken erst später starten sollten. Die Läufer der Halbmarathon- und 12-km-Strecke hatten also noch ein bisschen mehr Zeit. Silvia und Micha Konnten wir im Frühstücksraum aber noch nicht entdecken. Es war jedoch gut vorzustellen, dass Micha bereits fertig war. Gerade, als wir mitten beim Frühstück waren, kam Micha an. Er war bereits vor uns im Frühstücksraum gewesen und da er uns nicht entdeckt hatte, befürchtete er, dass wir verschlafen haben könnten und wollte uns persönlich wecken. Irgendwie waren wir alle schon aufgeregt.

Kurz nach acht Uhr wollten wir uns gemeinsam mit Jörg, Bernhard, Roman, Micha, Markus und Isolde per pedes auf den Weg zum Bahnhof machen. Gerade, als wir loswollten, rief Silvia von oben aus dem Hotelzimmerfenster: “Micha, du hast den Shirt vergessen!” Das hätte wirklich noch gefehlt! Silvia kam dann mit Michas TSV-Kuppingen-Beaujolais-Shirt noch nach unten. So machten wir uns mit einer kleinen Verzögerung dann los.

Am Bahnhof stand der Shuttle-Bus bereits abfahrbereit da, also nur einsteigen und losfahren. Dicker Nebel begrüße uns am ParcExpo. Eine Band sorgte bereits für gute Stimmung. Vor den Shuttle-Bussen stand eine lange Warteschlange. Es ging aber erstaunlich schnell voran und ein Bus nach dem anderen machte sich auf den Weg nach Fleurie, dem Startort für den Marathon. Da es ungefähr 40 km bis Fleurie waren, wurde peinlichst genau darauf geachtet, dass auch jeder einen Sitzplatz erhielt :-).

Wir winkten noch einmal zu Gudrun hinüber und schon ging die Fahrt mit dem Bus los. Von Sonne war am Himmel beim besten Willen bisher nichts zu entdecken, der Nebel war immer noch zu dicht. Was nicht ist, kann ja noch werden und so gaben wir die Hoffnung auf sonniges Laufwetter nicht auf.

Die Busfahrt verging schnell mit kurzweiligen Gesprächen und Erfahrungsaustausch über Läufe in den verschiedenen Ländern der Welt. So kam, ehe wir uns versahen, Fleurie in Sicht.

Auch hier wurden wir Marathonis mit Musik sowie einem Spalier von Fahnenträgern links und rechts des Weges zur Sporthalle von Fleurie empfangen. Jörg schnappte sich gleich einen der bereitstehenden Becher mit „Beaujolais Nouveau“ und meinte aber gleichzeitig, dass wir nicht zum Spaß hier wären ;-). Also griffen wir auch zum dargebotenen Wein und stießen erst einmal auf gutes Gelingen unseres Marathons an.

Kurz vor der Sporthalle rief mir jemand zu: „Hallo Fred!“. Es war André aus Rostock, den ich am gestrigen Abend auf der Messe und auf der Pasta-Party vergebens gesucht hatte. André war mit seinem persönlichen Begleiter Danny bereits seit zwei Tagen in Frankreich und hatte, wie er mir erzählte, bislang keinen einzigen Sonnenstrahl gesehen, immer nur deprimierenden Nebel.

Hinzu kam, dass er auch noch leichte Magenprobleme bekommen hatte. Das hatte er schon vor der Fahrt ins Beaujolais gehabt, lag also nicht am französischen Essen. So konnten wir uns nun gegenseitig unser Leid klagen, einer über Magen-, der andere über Halsprobleme. Aber wir waren beide froh, letztendlich doch wieder relativ fit zu sein und starten zu können. Zu Bestzeiten würde es aber auf keinen Fall reichen, aber solch einen Weinmarathon sollte man sowieso doch besser als „Genusslauf“ betrachten.

Gerade noch rechtzeitig für ein gemeinsames Foto von Micha, André und mir trafen Laurence und Gudrun in Fleurie ein.

In der Halle herrschte mittlerweile ein reges Treiben. Etliche Starter waren beim Umkleiden und kostümierten sich aufwendig: Asterix und Obelix, Cäsar, Elvis, Marsupilami, Rotkäppchen und der Wolf, Musketiere, Tom und Jerry und und und … Es war wohl fast alles vertreten.

Auch ein Wiedersehen mit „Jesus“ gab es, der sich gerade sein Kreuz umschnürte. So eine bunte und abwechslungsreiche Läuferschar sieht man wirklich selten! Vielleicht noch beim Médoc?

Nachdem wir uns dann startklar gemacht hatten, gaben wir unsere Kleiderbeutel ab und gingen den Weinberg hinauf zum Ortskern von Fleurie. Dort sollte der Start erfolgen. Oben herrschte schon eine tolle Stimmung und von der Tribüne heizte eine Vorturnerin schon mächtig ein. Ich glaube, wenn ich alle Übungen mitgemacht hätte, wäre ich schon vor dem Start geschafft gewesen.

Nach der offiziellen Begrüßung der Läufer durch den Veranstalter gab es eine Gedenkminute für die Opfer des Hurrikans „Sandy“ in New York. Der Veranstalter „Beaujolais Runners“ hat sich für die enttäuschten französischen NY-Marathonis eine Aktion ausgedacht und noch 100 Startplätze für diese Läufer vergeben. Das eingenommene Geld (5.000 €) wird den Opfern des Hurrikans zugutekommen.

Nach dieser Gedenkpause rückten wir weiter in Richtung Start vor. Gegenüber dem Vorjahr stand ich nun mit Micha und den anderen „Mondfängern“ weiter hinten im Feld. Die Überlegung war, dass man vielleicht die Strecke nicht zu schnell angeht, wenn genügend Bremsläufer vor einem sind. Die Strecke ist dann ja lang genug sich freizulaufen.

Nach dem Startsignal pünktlich um 10:30 Uhr setzte sich der bunte Tross langsam in Bewegung. Es ist schon ganz gut, dass es auch hier Brutto- und Nettozeiten gibt.

Nach einer kleinen Schleife um den Marktplatz, vorbei an der Kirche von Fleurie, ging es entlang einer alten Mauer entlang in Richtung Ortsaugang. Ähnlich wie in letzten Jahr wartete Gudrun bereits oben auf der Mauer mit Laurence und fotografierte die nun anrückende Läuferschar. Laurence hatte die Videokamera von Gudrun in die Hand gedrückt bekommen und filmte das ganze Spektakel.

Nachdem ich erkältungsbedingt die letzte Woche so gut wie nicht zum Laufen gekommen war, fühlte ich mich richtig erholt und liefen sich die ersten Metern richtig gut. An ein zu schnelles Laufen war auf dem schmalen Weg bergab aufgrund der Menschenmassen zudem wirklich nicht zu denken. Ich lief an Michas Seite, der sich auch im Vorfeld nicht davon abbringen ließ, mich zu begleiten. Natürlich entdeckten wir Laurence und Gudrun recht schnell links oben auf der Mauer und winkten ihnen zu. Gudrun ist mit der noch aus dem letzten Jahr stammenden grünen Froschkappe auch schon von weitem gut zu erkennen :-).

Einige Unentwegte versuchten auf dem recht engen Streckenabschnitt das Feld zu überholen und liefen am Rande der Weinfelder entlang. Zu wilden Aktionen sahen wir selber keine Veranlassung. Allerdings war es schon erstaunlich, wie weit sich das Spitzenfeld schon von uns abgesetzt hatte, denn man konnte hier recht weit ins Land schauen. Auf der Homepage des Veranstalters gab es vorab bereits Hinweise auf den Unterschied zwischen dem alten und dem, seit letztem Jahr, neuen Streckenverlauf.

Der alte Verlauf war wesentlich heftiger und es kam bei den Bergpassagen zu einigen Stürze mit Prellungen und Rippenbrüchen. Der neue Kurs (Micha kennt auch noch die alte Strecke) bietet bessere Bedingungen für die Läufer, zumindest sind bessere Zeiten möglich. Trotzdem sind noch 342 Höhenmeter an Anstiegen geblieben. Für einen Flachländer stellt das immer noch eine Menge Holz dar.

Ansonsten sind auf der Strecke neun renommierte Schlösser (Corcelles, Pizay, Ravatys, …) zu passieren. Neben der wunderschönen Landschaft mit den zahlreichen Bergen und Weinanbaugebieten gibt es zudem auch eine Menge Kultur entlang der Strecke. Hier mal der Streckenverlauf zur Information für Interessenten : http://www.marathondubeaujolais.org/upload/marathon/File/Parcours/marathon-2012.jpg

Micha, mein persönlicher Pacemaker, war mit unserer gemeinsamen “Reisegeschwindigkeit” relativ zufrieden. Schnell erreichten wir nach einigen Hügeln Lancie (km 3) und auch das erste Château “Corcelles” bei km 5 kam schnell in Sicht. Nach der morgendlichen Frische um 10 °C liefen wir uns etwas warm und erreichten wir langsam „Betriebstemperatur“. Die Sonne kam jetzt schon hier und da etwas zum Vorschein. Irgendwie komisch, wenn man die Strecke schon einmal gelaufen ist, erinnert man sich auch schnell wieder an Details, die bis dahin schon längst in Vergessenheit geraten waren.

Kurz vor km 10 kamen wir am wunderschönen Château Pizay (heute ein Hotel ) vorbei. Insbesondere an den Park mit den auffällig geschnittenen Bäumen konnte ich mich noch sehr gut erinnern. Natürlich gab es auf jeder Passage eines Schlosses auch ein Versorgungspunkt. Und wenn ich sage Versorgungspunkt, so ist dieser mit denen der meisten Marathons dennoch nicht vergleichbar!

Neben Wasser gab es, umso weiter man gelaufen war, immer mehr kulinarische Überraschungen. Spontan fallen mir dabei ein: Beaujolais, Käsewürfel, Schinken, Salami , Trockenfrüchte, Brot, Baguette, Kuchen, Brühe, Tee. Alles könnte ich hier aber wirklich nicht aufzählen! An einem Stand bei km 30 wurde dann sogar noch frisch gegrilltes Spanferkel angeboten. Verhungern musste man bei diesem Lauf wirklich nicht.

Bei km 15 ging es am Weingut Château de la Terrière vorbei. Zwei Kilometer weiter erwartete uns kurz hinter Cercie das Château les Ravatys . Wenn ich mich noch richtig erinnere, ging es hier durch den Weinkeller. Dies ist wirklich ein besonderes Erlebnis, denn im dem Weinkeller befindet sich zwischen all den großen Weinfässern der Verpflegungspunkt. Natürlich nahmen wir uns auch hier etwas Zeit für einen kleinen Imbiss, etwas Käse und einige getrocknete Aprikosen.

Wir liefen bergauf und bergab durch die Ortschaft Saint-Lager und langsam brauch die Sonne immer mehr durch. Meine Verkleidung, lediglich aus der Schottenmütze mit Haaransatz bestehend, merkte ich beim Laufen kaum, rückte allerdings ab und an die Mütze wieder an die richtige Position.

Langsam näherten wir uns der Halbmarathonmarke. Bei km 20 erreichten wir das Château de la Brasse .

In Charentay passierten wir in einem abfallenden Streckenabschnitt die Halbmarathonmarke. Komisch, letztes Jahr lagen hier Matten und heute konnte man die Halbmarathonmarke nur erahnen. Immer noch war Micha noch mit unserem Schnitt zufrieden. Ich war froh, den nächsten Versorgungspunkt erreicht zu haben und ließ mir wieder Käse und Trockenfrüchte schmecken und ich glaube, das erste Schlückchen Beaujolais haben wir uns hier gegönnt. Wie wir im Nachhinein feststellten, war die Zeit bis hierhin noch nahezu rekordverdächtig gewesen: 2:00:38 h für den HM.

Während Micha mir immer wieder Mut machte “Guck mal, da kommt wieder deine Lieblingsstrecke”, womit er dann ein “Hügelchen” meinte, merkte ich doch so nach und nach die ersten Ermüdungserscheinungen. Anscheinend wirkte die gerade überstandene Erkältung doch noch etwas nach. Das soll jetzt aber keine Ausrede sein ;-).

Jedenfalls konnte ich mich nun sehr gut an jeden der folgenden Anstiege erinnern und war immer froh, wenn es wieder mal leicht abwärts ging. Meine anfänglichen Ambitionen auf eine mögliche 3 vor dem Komma begrub ich jetzt auch ganz schnell endgültig. Wichtiger war mir, gesund und munter über die zweite Hälfte zu kommen.
Kurz nach der HM-Marke ging es direkt durch das Château de Sermezy und durch dessen wunderschönen Park.

Es gab immer wieder schöne Momente während des Laufs. Mehrfach wurde ich so von weiteren “Schotten” überholt bzw. ich holte diese an der nächsten Verpflegungsstation wieder ein. Leider beschränkt sich mein Französisch auf Mercie, Oui-Oui und Beaujolais. Vielleicht sollte ich doch noch mal einen Sprachkurs belegen??? Es wäre dann zumindest nicht ganz so peinlich, als wenn man wie ein Stummer nur mit den Achseln zucken kann.

Jedenfalls wiesen die anderen “Schotten” mich auf den fehlenden Schottenrock hin und deuteten beim Überholen an, dass ich mehr Beaujolais trinken solle, um schneller zu werden. Na, ob das wirklich hilft?
Jedenfalls näherten wir uns km 25 und damit Saint-Étienne des Oullières und damit dem nächsten Versorgungspunkt. Wir ließen uns jetzt genügend Zeit etwas zu essen und zu trinken. Da ich eine PB nun eh schon abgehakt hatte, genossen wir den herrlichen Ausblick ins Tal und so stießen Micha und ich mit einem Schlückchen Beaujolais an.

Die Sonne hatte die Temperaturen mittlerweile in frühlingshafte Regionen steigen lassen und so machte trotz zunehmender Ermüdung meinerseits das Laufen richtig Spaß. Meine Ärmlinge, die ich mir am Abend zuvor auf der Messe gekauft hatte, konnte ich jetzt getrost herunterstreifen.

Auch Micha hatte jetzt wohl endgültig den Kampf um meine PB aufgegeben und sah nun alles etwas gelassener. Kurz nach km 27 erreichten wir den nächsten Versorgungspunkt und das nächste Schlückchen Beaujolais war fällig. Ehrlich gesagt, während des Laufs war von dem minimalen Alkoholspiegel kaum etwas zu merken. Wirklich! Aber es sollte ja nun auch kein Selbsttest werden und übertreiben wollten wir es auch nicht, deswegen genossen wir den Wein auch lieber in Maßen (statt in Massen).

Die letzten zwei Kilometer nach Arnas (km 30) gingen nun überwiegend bergab. Bei Arnas, das war auch Startort für Halbmarathonis und 12-km-Läufer, wollte Gudrun irgendwo auf uns warten. Der Jubel wurde immer lauter, je näher wir dem Sportstadion von Arnas kamen.

Den Blick auf meine Garmin hatte ich mir schon seit dem Start verkniffen, da ich nach Gefühl laufen wollte. Was mich eher beunruhigte, das war der Ladezustand meines “Zeiteisens”. Dieser gab per Piepstöne bekannt, dass der Akku bald alle sei. Es ist schon blöd, wenn man den Marathon Sub 4 h laufen muss, nur damit die Garmin den ganzen Lauf komplett aufzeichnen kann! Ich hätte wohl doch lieber auf Gudruns Garmin zurückgreifen sollen…

Im letzten Jahr kam ich gerade mit Micha zum Start der Halbmarathonis am Stadion in Arnas vorbei. Heute waren diese bereits auf der Strecke. Gudrun sahen wir ca. 100 m hinter der Startlinie der Halbmarathonis. Mein innerer Schweinehund flüsterte mir zu: „Eigentlich reicht es dir für heute…“

Klar, vor Wiedersehensfreude winkten wir Gudrun beim Heranlaufen in die Kamera und lächelten so gut wie es ging.
Jetzt sollten es ja nur noch schlappe elf Kilometer bis ins Ziel sein. In Arnas jubelte uns wieder eine ganze Menschenmenge zu. Da wir unsere Namen vorne und hinten prangten, riefen uns vor allem die Kinder “Freed” und “Miekaaaa” zu. Anscheinend war Michas Name etwas schwieriger in Französisch auszusprechen, da mein Name öfter zu vernehmen war oder sah ich etwa gequälter aus und benötigte daher mehr Aufmunterung? Aber das konnte bestimmt nicht sein ;-). Natürlich spornte mich die Begeisterung der kleinen Fans wieder mächtig an!

Allerding zogen sich die letzen Kilometer lang hin. Weiter ging es vorbei am Harmeau des rues ( einem Themenpark wie man es wohl in Deutschland nennen würde). Allerdings bekamen wir davon beim Vorbeilaufen,nunmehr 34 km lagen hinter uns, nicht viel mit, da auch gerade der härteste Anstieg des Laufes vor uns lag.

Für Micha als alten „Berghasen“ war das natürlich nur ein minimaler Anstieg, für mich als Plattfuss dagegen eine riesige Herausforderung zum Ende des Rennens. Tja, so unterschiedlich kann so etwas gesehen werden…
Mein Pace war mittlerweile eher nicht mehr erwähnenswert. Gut Ankommen hieß nun meine Devise!

Obwohl es bei km 35 nun nur noch bergab ging, war bei mir nicht mehr viel herauszuholen. Micha versuchte es noch mit Motivation “Die letzten fünf noch mal alles geben”, doch was bringt es, wenn nicht mehr viel an Reserve vorhanden ist, so zumindest hatte ich bei mir das Gefühl. Dort, wo es den Beaujolais (auch inoffizielle Raststätten waren am Rand der Strecke) zum “Tanken” gab, nutzten wir dieses Jahr auch wirklich die Gelegenheit und machten heute einen echten Genusslauf daraus.

Der letzte Verpflegungspunkt erwartete uns zwischen km 40 und 41, also kurz vor dem Ziel. Obwohl es nun nur noch bergab ging, kam ich mir wie eine Schnecke vor. Auch Micha bestätigte mir hinterher, dass ich bergab auch nicht mehr schneller wurde. Hatten wir etwa den falschen Schmierstoff genommen? Das konnte es heute ja wirklich nicht gewesen sein…

Egal, meine Devise hieß ankommen! Zu genau hatte ich noch Janas ersten Marathon in Hamburg vor dem inneren Auge. Jedenfalls hatte ich keine Lust, noch irgendwie an der Strecke oder im Krankenwagen zu landen. Lieber heil und sicher ins Ziel kommen als gar nicht, so dachte ich.

Auch an die letzten zwei Kilometer konnte ich mich aus dem Vorjahr noch sehr gut erinnern. Allerdings hatte ich alles in diesem Jahr viel wacher vor Augen und genoss wirklich den Lauf und schaute mich überall um. Hier und da hatten nun auch schon einige Gefährten mit Krämpfen zu kämpfen oder gingen einfach.

Irgendwo am letzten Anstieg gab Micha mir noch einen wertvollen Tipp, den ich dann auch gleich praktisch anwenden konnte. Bislang ließ ich mich bei langen und zähen Anstiegen durch die vor mir (bislang) Laufenden recht schnell zum Gehen “verführen”. Micha zeigte mir dann, wie ich es besser machen kann. Statt nun auch Hochzuwatscheln ist es besser, im leichten Trab zu bleiben und damit es wieder auf den folgenden Abschnitten etwas leichter zu haben. Tatsächlich, überraschenderweise klappte es wirklich ganz gut.

Bis zum Ziel war es jetzt nicht mehr weit. Zahlreiche Schaulustige und natürlich auch echte Lauf-Fans säumten die Strecke auf den letzen knapp zwei Kilometern in Villefranche-sur-Saône e !

Nach einigen kleinen Haken durch die Stadt ging es durch zwei Gebäude hindurch, einem Schloss und ca. 500 m vor dem Ziel durch die Markthalle. Direkt gegenüber der Markthalle befindet sich das Rathaus und damit auch gleichzeitig das Ziel des Marathons. Hurra, fast geschafft!!!

Da der Jubel nun mit jedem Schritt lauter wurde, raffte ich mein inneres Nervenkostüm noch einmal auf. Ich fühlte mich ganz gut für die letzten Meter und schnell waren Micha und ich an der Markthalle. Was allerdings beim Lauf recht tückisch war (und sich nun auch wieder bestätigte), das waren die Treppen. Beim Hineinlaufen treppauf in die Markthalle gab mein rechtes Bein nach, ups, das fehlte mir gerade noch! 500 Meter vor dem Ziel, das wäre echt Mist! Ich rief noch Micha zu, aber nur wenige Schritte weiter merkte ich, dass es nun wohl doch noch gehen würde, war wohl doch mehr der Schreck gewesen ;-).

Die Gerüche in der Markthalle sind vielfältig, obwohl die dort lagernde Ware komplett abgedeckt war. Ehrlich gesagt störten mich nun die Gerüche nach Fisch und Fleisch auf den letzten Metern am Geringsten. Nach der Passage der Markthalle musste dann nur noch eine halbe Ehrenrunde (ca. 400 m) um das Rathaus bis ins Ziel gedreht werden.
Gemeinsam mit Micha lief ich unter dem Jubel der zahlreichen Fans über den Zielstrich. Der Zieleinlauf ist immer wieder ein erhebendes Gefühl, auch wenn es mittlerweile bereits mein neunter Marathon war!

Nach dem Zieleinlauf (4:28:54 h netto, die Zeit war für mich wirklich sekundär!) machten Micha und ich uns gleich nach dem Empfang der Medaille und der dazugehörigen Flasche “Beaujolais-Nouveau” auf den Weg in den Keller der Markthalle, wo sich der Kleiderempfang und gleichzeitig ein allerletzer Versorgungspunkt für die Marathonis befand.
Einen Rekord kann ich dann doch noch persönlich vermelden. Aber es war mein erster Marathon im Ziel ohne Krämpfe und das ist doch auch was!

Gemeinsam mit Jörg und Bernhard blieben wir zunächst im Keller der Markthalle. Brühe, Trockenfrüchte, Tee, Käse, Speck , Salami und weitere Köstlichkeiten probierten wir nebst Beaujolais. Allerdings schauten Micha und ich wieder in Richtung Ziel, denn Laurence sollte nach ihren Halbmarathon auch in Kürze eintreffen. Leider hatten wir sie doch irgendwie verpasst und so begaben wir uns zum Duschen und Umziehen ins Hotel.

Mittlerweile hatten wir auch die Info, dass Wilfried und Gudrun in Villefranche angekommen waren. Und so begaben Micha und ich uns wieder in Richtung Rathaus und machten uns auf die Suche nach Gudrun. Per Zufall entdeckte ich sie nach einiger Sucherei durch die auffällige Froschmütze. Gemeinsam sahen wir den Zieleinlauf von Silvia und einigen anderen Läufern des TSV Kuppingen.

Um 18.30 Uhr gab es die offizielle Begrüßung des neuen Beaujolais: mit Musik, Licht- und Lasershow, Feuerwerk. Es gab in Wort und Bild (großflächige Projektionen an die Rathausfront) Einblicke in die Entstehung des Weines über die vier Jahreszeiten hinweg. Das war die richtige Einstimmung für unser gemeinsames Abendessen in der Brasserie du Théâtre , nur wenige Meter vom Rathaus entfernt 🙂 .

Das gemeinsame Abendessen in der Brasserie war ein schöner Ausklang eines abwechslungsreichen Tages. Auch Wilfried und Laurence waren zu diesem gemeinsamen Essen gekommen. Wir ließen hier in gemütlicher Atmosphäre beim leckeren Vier-Gänge-Menü die Ereignisse des Tages Revue passieren.

Zurück im Hotel hieß es dann auch schon Sachenpacken, denn morgen sollte es wieder mit dem Bus zurück nach Deutschland gehen. Kurz vor elf Uhr wollten wir zur Weinprobe ins Château du Vaurenard aufbrechen.

Zwischen Frühstück und Busabfahrt war aber noch genügend Zeit für einen Besuch in der Markthalle. Die Auswahl an Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch und deren Frische ist wirklich beeindruckend!

Auf dem Weg zur Markthalle liefen wir dann auch zufällig Alain, der Cheforganisator des Marathons, über den Weg, der uns noch aus dem letzten Jahr bekannt war, über den Weg. In der Markthalle schenkte uns Alain eine aktuelle Ausgabe der Tageszeitung “Le Progres”, in der ein mehrseitiger Bericht, viele Fotos und einige Ergebnisse vom gestrigen Marathon waren.

Im Chateau Vaurenard wurden wir bereits vom Schlossherren erwartet. Er erzählte uns einiges über das Schloss und über die Weinherstellung und beantwortete Fragen. Mit Walter hatten wir hier einen perfekten Dolmetscher dabei. Natürlich ging es auch noch in den Weinkeller. Hier gab es anschließend eine Verkostung der Weine des Gutes. Jeder Jahrgang schmeckte anders, hatte seinen individuellen Geschmack. Und natürlich konnte man hier auch Wein kaufen 😉 .
Die Rückfahrt nach Kuppingen war dann auch noch sehr lustig. Im Bus wurde mehrmals immer wieder ein französischer Gassenhauer von der Pasta-Party angestimmt. Alle Teilnehmer standen noch ganz unter dem Einfluss der lockeren Atmosphäre des Beaujolais-Marathons.

Dieses Jahr hatten Gudrun und ich noch etwas Zeit für die Erkundung von Stuttgart und Umgebung eingeplant. Silvia und Micha waren ganz tolle Gastgeber. Am Montag ließen wir es uns zunächst in einer Therme gut gehen. Nachmittags machten wir uns zur Burg Hohenzollern auf. Wir waren uns zunächst nicht sicher, ob wir von dort oben überhaupt auch eine gute Sicht hätten, denn der Nebel schien sich hier gar nicht zu lichten. Aber je höher wir kamen, umso sonniger wurde es und oben auf der Burg war der Himmel wolkenfrei. Von hier aus konnten wir die Nebelschwaden in den tiefer gelegenen Lagen sehr gut betrachten.

Den Dienstag hatten wir dann noch für Stuttgart selbst vorgesehen. Unseren Stadtrundgang begannen wir mit der Besteigung des Killesbergturms, dann ging es weiter durch die Innenstadt. Silvia und Micha erwiesen sich als gute Stadtführer. Den Abschluss des Tages bildete ein gemeinsames Essen beim Lieblingsgriechen von Silvia und Micha.
Leider vergingen die Tage und Stunden mal wieder wie im Fluge.

Was bleibt, sind Erinnerungen an eine unvergessliche und erlebnisreiche Woche.

Link zum Bericht des TSV Kuppingen: http://tsvkuppingen.de/lauftreff/site/?page_id=2753

Urkunde Marathon du Beaujolais 2012

 

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2 Kommentare zu “8. Marathon du Beaujolais in Villefrance am 17.11.2012 Teil 2/2

  1. Hallo Fred
    diesen Lauf steht schon wieder auf meinem Terminplaner ,werde für Dich zur Sicherheit vorher noch eine Flasche Toxiloges besorgen ,dann gib es keine Erkältung mehr

    • Hallo Micha,
      das hört sich gut an ;-). Ich werde ja hoffentlich nächstes Jahr nicht gerade wieder eine Erkältung haben – aber das Zeugs wirkt wohl ganz gut!
      Gruß Fred

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