Mit dem Müritzlauf verbindet mich vor allem eine Erinnerung, die eigentlich gar nichts mit dem Lauf zu tun hat, von der An- und Abreise zum und vom Lauf mal abgesehen. Beim Lauf 2010 hatte ich Gudrun zunächst Röbel am Start abgesetzt und fuhr dann mit dem Berli weiter zum Ziel nach Waren, um das Auto schon in der Nähe zu parken. Von dort aus sollte es wieder mit dem Shuttlebus nach Röbel gehen. Zeit hatte ich eigentlich genügend eingeplant, wenn, ja wenn nicht gerade der Berli auf halber Fahrt nach Waren ein paar Sperenzchen mit dem Gasbowdenzug gemacht und so das Gaspedal außer Funktion gesetzt hätte. Den Shuttlebus hatte ich gerade noch so erreicht, aber auf dem Nachhauseweg nach Rostock blieben wir letztendlich in Klink liegen und waren auf Hilfe des ADAC angewiesen.
Dieses Jahr sollte es hoffentlich keine Probleme geben. Kurz nach sieben Uhr sammelten wir Steffi vom 1. LAV ein und ab ging es zunächst mal nach Röbel. Direkt am Hafen, unweit des späteren Startortes des Städtelaufs, setzten wir Gudrun mit Fahrrad und kompletter Technik ab. Ich rief Micha, der extra aus dem Ländle angereist war, um den Müritzlauf kennenzulernen, an und gab ihm Bescheid, dass wir in ca. 30 Minuten vor seinem Hotel „Amsee“ in Waren ankommen würden.
Alles klappte wie am Schnürchen und so saßen Steffi, Micha und ich kurz nach neun Uhr im Shuttlebus nach Röbel. Der Bus füllte sich nach und nach und pünktlich um 9.30 Uhr fuhr er nach Röbel los. Nach einer halben Stunde Fahrt hatten wir Röbel erreicht und hatten jetzt noch eine Stunde Zeit bis zum Start. Während Micha unsere Startunterlagen bereits am Vorabend abgeholt hatte, konnte Steffi jetzt noch alles in Ruhe vor Ort erledigen.
Und natürlich trafen wir hier auch wieder auf zahlreiche Bekannte und Freunde. Auf der Starterliste hatte ich am Vorabend bereits zu meiner großen Überraschung Maik von den „Socken-Wellen“ entdeckt. Und siehe da, es dauerte nicht lange und schon kamen Maik und seine Frau Christina auf uns zu. Maik hatte den Müritzlauf kurzfristig in sein Trainingsprogramm für den TCS Amsterdam Marathon am 18. Oktober aufgenommen. Beim Plaudern über Trainings- und Wettkampfstrategien verging die Zeit wie im Fluge und schon wurden die Läufer an den Start, der auf der Seebadstraße erfolgen sollte, gerufen.
Die Straße wurde kurzzeitig für den Durchgangsverkehr gesperrt und nach einigen Begrüßungsworten erfolgte Punkt elf Uhr der Start zum 14. Städtelauf von Röbel nach Waren. Im nächsten Jahr steht also mit dem 15. Lauf ein kleines Jubiläum an 😉 .
Entlang des Marienfelder Weges zog sich das Feld der 154 Städte-Läufer auf den ersten zwei Kilometern schon weit auseinander. Ich hatte meine kleine Digitalkamera dabei und übte mich etwas in Lomografie. Irgendwie schwebte mir eine Zielzeit von 2:30 h vor. Auf die Distanz von 26,5 km entspräche das ziemlich genau einen Schnitt von 5:40 min/km. Das sollte eigentlich machbar sein.
Es hatte sich schnell ein kleinerer Trupp Läufer gebildet, an dem ich mehr oder weniger versuchte dranzubleiben. Allerdings habe ich mir es längst abgewöhnt, ständig auf den Pace zu schauen und versuche eher auf meiner Körper zu hören.

Richtung Gotthun ging es über einen geschotterten Weg, vorbei an frisch umgebrochenen Äckern. Die Temperaturen von geschätzten 16 Grad stiegen dort, wo die Sonne durchbrach, schnell auf angenehme 20 Grad an. Es herrschte ein angenehmer Sonne-Wolken-Mix vor und leichter Wind sorgte für ausreichend Kühlung. 2010 und 2011 war ich hier jedenfalls schon mächtig ins Schwitzen gekommen.
Nach guten sechs Kilometern gab es kurz hinter Gotthun den ersten Versorgungspunkt. Mir reichte an dieser Stelle ein Becher Wasser und weiter ging´s im Laufschritt. Kurze Zeit später sah ich Gudrun links am Maisfeldrand, natürlich mit Kamera. Mein erstes Foto vom Lauf auf der Strecke war also im Kasten.
Bei km 7 erreichten wir die L24 und liefen jetzt ungefähr einen guten Kilometer leicht abschüssig auf dem Radweg entlang, immer parallel zur Landstraße. Mein Tempo konnte ich immer noch gut halten und ich fühlte mich auch gut. Ab und an hielt ich kurz an und machte von der herrlichen Landschaft Fotos, manchmal schoss ich auch ein paar Bilder aus dem Lauf heraus. Zu Hause würde ich dann ja sehen, wie meine Schnappschüsse geworden sind.
Kurz nach km 8 bogen wir rechts in Richtung Zierzow ab. Noch vor dem Ortseingangsschild hatte sich ein Fantrupp aufgestellt, der uns mit Vuvuzela und Tröte begrüßte und uns mit einer mächtigen Lautstärke begeistert anfeuerte. Das motiviert!
Entlang der Dorfstraße ging es nun durch Zierzow, dann weiter auf der asphaltierten Straße nach Sietow-Dorf. In Sietow-Dorf, ziemlich genau 10 km lagen hinter uns, gab es den nächsten Versorgungspunkt. Und auch Gudrun war wieder als rasender Reporter vor Ort und fotografierte direkt am Versorgungspunkt die ankommenden Läufer.

Die Strecke selbst ist wirklich sehr abwechslungsreich und führte nun ab km 11 die nächsten zwei Kilometer durch ein Wäldchen, immer entlang eines frisch gekrauteten Grabens.
Bereits seit einiger Zeit war mir eine Läuferin dicht auf den Fersen und nach einiger Zeit kamen wir kurz ins Gespräch. Meine Mitstreiterin kam aus dem Erzgebirge und ihr Mann lief heute den Ultralauf um die Müritz. An der nächsten, recht heftigen Steigung jedoch, kurz hinter dem Versorgungspunkt in Sembzin bei km 15, ließ sie mich dann auch locker stehen. Dafür schloss dann kurze Zeit später Thomas aus Papendorf zu mir auf und wir liefen die nächsten Kilometer gemeinsam und hatten dabei genügend Puste etwas zu plaudern. Gemeinsam liefen wir am Schloss Klink vorbei, einer echten Sehenswürdigkeit. Früher gehörte das Schloss der Familie von Schnitzler (Der Name „Karl Eduard von Schnitzler“ dürfte jedem ehemaligen DDR-Bürger gut bekannt sein). Gudrun war gerade mit der Technik beschäftigt und da ich befürchtete, dass sie Thomas und mich übersehen könnte, machte ich lautstark auf uns aufmerksam.
Sechs Minuten später waren wir dann auch schon am Versorgungspunkt bei km 18 direkt am Müritzstrandbad angelangt. Hier gab es alles, was das Läuferherz begehrt: Wasser, Cola, Iso, Apfelstücke, Banane, Melone, Schokolade und auch der vom Rennsteiglauf bekannte Schleim war zur Stelle. Thomas fragte nur trocken, ob es auch Bier gibt. Ich hätte mal sein Gesicht sehen mögen, wenn er tatsächlich ein Bier bekommen hätte 😉 . Gudrun hatte den Versorgungspunkt dank Fahrrad schon vor uns erreicht und machte von uns noch ein paar Erinnerungsfotos.
Nach einer kurzen Verschnaufpause ging es für uns weiter. Wir liefen an einem neu errichteten Bungalowdorf vorbei und ab km 19 führte der Weg zwei Kilometer lang durch ein unebenes Waldstückchen. Auch Gudrun pirschte hier mit ihrem Fahrrad wieder an uns vorbei, um uns dann am nächsten Getränkestützpunkt zu erwarten. An der Warener Straße (B192) kamen wir ungefähr bei km 21 wieder heraus. Beim Überqueren der Straßenbrücke machte ich noch schnell ein Foto vom dem gerade unter der Brücke hindurch fahrenden Passagierschiff.

Wenige Meter weiter ging es wieder rechts ab in ein Waldstück und auch der nächste Versorgungspunkt kam in Sicht. Mittlerweile war ich hier von Wasser auf Cola und Wasser umgestiegen.
Thomas hatte ich mittlerweile ebenfalls aus den Augen verloren. Ich war mir aber sicher, dass er gleich wieder hinter mir auftauchen würde. „Kamerun“, ein Zeltplatz am Kameruner Weg in Waren, war jetzt erreicht. Und ich wusste. Dass es jetzt nur noch knapp drei Kilometer bis zum Ziel sein würden!
Der letzte Kilometer, auf der Gerhard-Hauptmann-Allee und weiter entlang der Kietzstraße, zog sich dann noch einmal mächtig hin, immer nur geradeaus. In Höhe Müritzeum führte die Strecke rechts ab in die Strandstraße. Jetzt konnte ich nun wieder einige Läufer vor mir sichten. Ein Blick auf meine Laufuhr zeigte, dass ich wohl mein selbst gestecktes Ziel, unter 2:30 h zu bleiben, locker schaffen müsste. Auf den letzten Metern vor dem Ziel am Yachthafen herrschte schon eine ausgelassene Volksfeststimmung. Ich zückte auf der Zielgeraden nochmals meine Kamera und schoss ein Foto des Zieltores.

Die letzten Meter genoss ich dann so richtig. Während ich schon namentlich angekündigt wurde, sah ich dann auch schon Gudrun unter den zahlreichen Zuschauern an der Absperrung. Nach 2:27:51 h hatte ich das Ziel erreicht und bekam gleich meine Medaille umgehängt.
Micha winkte mir am Ziel schon mit seiner Urkunde zu. Er hatte in seiner AK den 1. Platz belegt, in einer Zeit von 2:12:08h! Wir konnten uns im Ziel also gegenseitig gratulieren 🙂 . Auch Maik, der sogar noch unter zwei Stunden (1:57:33 h) geblieben war, kam kurz zur Begrüßung vorbei. Mit seiner starken Leistung kam er auf Platz 2 seiner AK!
Thomas kam kurz nach mir ins Ziel, Steffi nur wenige Zeit hinter ihm. Im Zelt, unmittelbar hinter dem Ziel, konnten wir unsere Energie- und Flüssigkeitsdefizite bei Wasser, Cola, Iso und Obst wieder auffüllen. Auch mehrere Massagebänke standen für den, der Bedarf hatte, zur Verfügung.
Micha und ich machten uns schnell im Hotel frisch. Danach ging es gleich wieder zurück zum Yachthafen, wo jetzt zahlreiche Staffel- und Ultraläufer nach und nach eintrafen. Wir feuerten die eintreffenden Läufer mit Klatschen und Jubel lautstark an. Und irgendwann wurde es Zeit für einen Kaffee und ein Eis. Das hatten wir uns schließlich verdient! Nebenbei, während wir uns noch an unseren Eisbechern gütlich taten, konnten wir auch die jetzt vereinzelt ankommenden Läufer sehen, denn wir hatten faktisch im Eiscafé einen „Platz in der ersten Reihe“. So konnten wir dann auch noch verfolgen, als Steffan vom SC Laage gemeinsam mit Frank von unserer Laufgruppe Schwerin nach 8:27:54 h im Ziel eintraf.
Den Abend ließen wir (Gudrun, Mich und ich) bei einer gemütlichen Dampferfahrt auf der Müritz ausklingen. Auch ihm hatte die Veranstaltung sehr gefallen, auch wenn er für seinen AK-Sieg leider keinen der wirklich sehr schönen Pokale mit nach Hause nehmen konnte…
Nichtdestrotz war der 14. Müritz-Lauf wiederum ein tolles Laufevent, bei dem wir bestimmt nicht das letzte Mal dabei waren. Dummerweise fällt der Müritzlauf zumeist mit dem Burgenlauf (alternierend von Penzlin nach Burg Stargard bzw. von Burg Stargard nach Penzlin) auf das gleiche Wochenende. Da fällt mir die Entscheidung für den einen oder anderen Lauf doch sehr schwer. Und auch der Ivenacker Eichenlauf hatte an diesem Wochenende stattgefunden. Auch dieser Lauf ist eine Empfehlung und eine Teilnahme wert. Aber man kann eben nicht überall sein…
Dafür feuerten wir am Sonntag Jana beim Frauenlauf im Stadthafen kräftig an.
Ergebnisse: hier klicken!

Micha
August 29, 2014 um 4:41 p.m.
Das war eine schöne Strecke und wieder Super-Bilder ,auch wenn es in der AK keine Pokale gab , war ich nicht zum letzten mal beim Müritz-Lauf