Müritz-Lauf (Städte-Lauf) von Röbel nach Waren am 21.08.2010

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Pleiten, Pech und Mocki…

Nach dem Tollenseseelauf (HM) und dem Krakower Mittsommernachtslauf (30 km) reizte nun auch der Lauf entlang Deutschlands größtem Binnensee, der Müritz. An die normale Distanz des Müritz-Laufes, einer 76,6 km langen Umrundung der Müritz, traute ich mich aber doch nicht. So wählte ich die „kurze“ Distanz. Das ist der Städte-Lauf von Röbel nach Waren, der „nur“ 28,2 km lang ist. Und da ich sowieso nicht um den Sieg laufen würde, konnte ich diesen Lauf  prima in meine Berlin-Marathonvorbereitung als lange Trainingseinheit einbauen!

Unsere Jugend (Jana, Matze, Roland, Karl) bevorzugten lieber den Schwedenlauf in Wismar am Sonntag. War ja auch kürzer (nur 10 km). Gudrun und ich machten uns kurz nach 6 Uhr alleine, ohne Kinder, los. Das Timing war gut geplant, Sicherheiten für alle Eventualitäten inklusive, jedenfalls nach unserem Ermessen: Zuerst Gerlind abholen, dann weiter nach Röbel (Startort), um Gudrun mit Fahrrad dort abzusetzen, dann weiter nach Waren (Auto abstellen) und zu guter Letzt mit dem Bus-Shuttle wieder nach Röbel zum Start.

Es fing auch ganz normal an, wenn wir einmal unsere kleine Unpünktlichkeit beim Abholen von Gerlind außer Acht lassen, denn wir hatten ja reichlich Sicherheit eingeplant. So trafen wir gegen 7.30 Uhr dann auch am Stadthafen in Röbel ein und machten Gudruns Klapprad startklar. Gudrun und Gerlind blieben am Startort in Röbel und ich machte mich mit dem Auto auf den Weg nach Waren/Müritz. Dort wollte ich mich in aller Ruhe umziehen und hätte dann genügend Zeit, um mit 8.30 Uhr abfahrenden Shuttle-Bus wieder nach Röbel zurückzukehren.

Soweit der Plan. Eine knappe Stunde sollte wirklich reichlich bemessen sein, um die 24 km auf der B192 von Röbel nach Waren mit dem Auto zu absolvieren und mich schnell umzuziehen (dafür brauche ich wirklich nicht lange). Wie gesagt, so war der Plan. Aber Theorie und Praxis weichen doch manchmal erheblich voneinander ab…

Kurz vor einem der vielen Hügel trat ich das Gaspedal durch, aber, oh Schreck, es passierte absolut nichts 🙁 Das Auto fuhr nur noch mit Standgas, tuk-tuk-tuk… Ich wurde also logischerweise immer langsamer, bis ich eine beschauliche Schrittgeschwindigkeit erreicht hatte. In diesem Tempo konnte ich unmöglich bis nach Waren die noch verbliebenen 15 km fahren.  Und Außerdem wurde ich wurde langsam zum Verkehrshindernis, schlimmer als jeder Hutfahrer! Also, was tun? Selbst ist der Mann: o erst mal bei der nächsten Gelegenheit rechts ran und mal nachschauen was so ist, d.h. Motorhaube auf und schlau gucken. Schnell hatte ich den Bowdenzug des Gaspedals als Übeltäter entlarvt. Aber doch wo verschwindet er im Fahrzeuginnenraum? Die einfache, aber bislang über 300.000 km bewährte, Technik des Berlingos war schnell erkannt. Der Bowdenzug endete an einem Plastikteil, welches das Ende des Bowdenzuges mit dem Gaspedal verbindet und hier war das „Ende“ einfach rausgerutscht. Mit etwas Fingerspitzengefühl hatte ich dann das „Ende“ wieder eingefädelt und die Fahrt konnte weitergehen J ! Doch leider überdauerte diese Verbindung nur die nächsten fünf Kilometer bis kurz hinter Klink. Noch gut 7 km bis nach Waren waren noch vor mir… So langsam wurde mir die Zeit knapp und ich hätte heulen können, denn meine Chance, den Shuttle-Bus von Waren nach Röbel zu bekommen, schrumpfte mit jeder Minute Stillstand gewaltig. Da in der Kürze keine Hilfe in Sicht war, also nochmal dasselbe Spielchen mit dem Einfädeln… Und so langsam hatte ich Übung!

Natürlich hatte ich ordnungsgemäß mein Handy zuvor Gudrun, dem Handymuffel, zur Verwahrung übergeben… und die Zeit tickte. Nun näherte ich mich Waren und hoffte, möglichst an keiner Ampel halten zu müssen. Glücklicherweise  kam ich tatsächlich bis zum empfohlenen Parkplatz mit freien, kostenlosen Parkplätzen beim Landratsamt in Waren an! Geschafft!!! Von hier sollten es dann nur noch „gemütliche“ fünf Minuten bis zum Zielort, der auch gleichzeitig Abfahrtsort der Shuttle-Busse war,  sein. Doch die Uhr zeigte mir schon 8:26 Uhr an :-(! Aber man ist ja Läufer, also nur noch schnell die Tasche schnappen und im Eiltempo in Sandalen und großer Tasche bis an den Stadthafen von Waren gesprintet. Von Weitem hörte ich gerade: „Wer den Shuttle-Bus nach Röbel nutzen möchte, bitte sofort in den Bus einsteigen!“. Ich erhöhte meine „Schlagzahl“ also nochmals und den Sprintefix in mir heraushängen lassen. Ein vorbeifahrender Radfahrer meinte: „Nicht so schnell, ist doch noch genügend Zeit“. Tatsächlich hatte ich mit meinem rekordverdächtigen Sprint gerade noch in den Bus hüpfen können. Total verschwitzt, aber happy, dass ich den innerlich fast „abgehakten“ Lauf nun doch noch antreten konnte, schaute ich zufrieden nach draußen und sah noch einen Läufer hinter dem Bus hinterherlaufen. Da ich fast dasselbe Problem hinter mir hatte und ich mich in die Lage des hinterher rennenden Läufers sehr gut hineinversetzen konnte, rief ich sofort lauthals nach vorn in den Bus „Es kommt noch einer“. Der nette Fahrer hielt tatsächlich noch einmal extra für das verspätete PärchenJ!

Jetzt  ging zunächst alles Weitere zunächst nach Plan. Kurz nach 9:00 Uhr trafen die Busse in Röbel am Stadthafen ein und es ging in Richtung Startnummernausgabe. Hier traf ich auch wieder auf meinen ehemaligen Kommilitonen Edge-Bert, dem ich natürlich gleich die Story brühwarm berichten musste…

An der Startnummernausgabe stellte sich heraus, dass jetzt Edge-Bert ein Problem hatte, denn sein Geld für die Startgebühr lag wohlverwahrt in seiner Tasche im Auto in Waren :-(. Hier konnte ich ihm erst einmal aushelfen, da ich grundsätzlich Wertgegenstände nicht im Auto liegen lassen mag und Gudrun, meiner persönlichen Supporterin, diese Sachen dann zur Verwahrung übergebe.

Wir hatte zum Start jetzt noch genügend Zeit, uns umzuziehen und auch nochmal die „Örtlichkeiten“ aufzusuchen. Gudrun und Gerlind saßen in der Nähe auf einer Parkbank und hatten sich beim Käff‘chen die Zeit vertrieben. Als ich ihnen gerade ihnen meine Odyssee mit dem Berlingo berichtete, schwenkte mein Blick auf eine kleine, zierliche Läuferin in der Nähe, die gerade locker mit anderen Läufern plauderte und nebenbei Autogramme gab und sich zu gemeinsamen Fotos aufstellte. Irgendwie kannte ich doch das Gesicht (Leichtathletik-EM?). Donnerwetter: tatsächlich es war Mocki 🙂 ! Gudrun hatte sie schon vorher, beim Warten auf mich, gesichtet, als sich Mocki zur Anmeldung ganz normal hinten an die Schlange angestellt hatte. Wir waren total überrascht, denn mit derartiger Prominenz hatte wohl keiner gerechnet! So etwas wertet die Konkurrenz mächtig auf!

Die Minuten bis zum Start verstrichen schnell und nach einer kurzen Begrüßung aller Teilnehmer und, natürlich, einer besonderen Begrüßung von Sabrina Mockenhaupt  wurden wir Punkt 10:00 Uhr auf die Strecke geschickt. Wir wünschten alle einander noch viel Glück und eine gesunde Ankunft in Waren.

Allerdings meine das gerade aktuelle Hoch „Fred“ es zu gut mit uns, denn es waren Temperaturen von 27°-30°C avisiert und die Sonne schien, und schien, und schien… Gut, dass ich mich zuvor noch mit Gerlinds Sonnencreme etwas vor den Strahlen geschützt hatte J! Ich selbst hatte diese natürlich zu Hause in der morgendlichen Hektik vergessen.

Da ich schon ein etwas schlechtes Gewissen bezüglich meiner Marathonvorbereitung hatte, bin ich zwei Tage zuvor gerade 23 km locker gelaufen und spürte diese auch noch etwas in den Füßen, aber was soll‘s.

Gestartet bin ich zunächst ziemlich hinten, habe dann aber relativ schnell „mein“ Tempo gefunden und bin zunächst einige Kilometer in der Nähe von Gerlind gelaufen. Versorgungstechnisch war für alles gesorgt, denn insbesondere auch für die Ultraläufer, für es die bereits um 8 Uhr in Waren losging, waren viele Versorgungspunkte auf der Strecke eingerichtet. Hier gab es dann Wasser, Cola, Tee, Haferschleim, Äpfel. Für jede Geschmacksrichtung war also gesorgt! Außerdem gab es Eimer mit Wasser und Schwämmen, eine herrliche Erfrischung den fast 30 °C und nach den ersten zehn Kilometern.

Auch aus landschaftlicher Sicht hat dieser Lauf entlang der Müritz einiges zu bieten. Weite Felder, Waldabschnitte und natürlich die Müritz selbst sorgen für ein schönes Naturerlebnis!

Gudrun hatte mit ihrem Spezialsupport auf dem Klapprad wie üblich voll zu tun. Zunächst war natürlich der Überraschungsgast Mocki kurz nach dem Start „einzufangen“. Und danach dann natürlich auch die sonstige Läuferschar 😉 !

Ich durfte schon mal mein Berlin-Shirt zur Probe tragen. Bei unserem letzten Berlinaufenthalt letzte Woche anlässlich des Leonhard-Cohen-Konzertes, hatte Roland ein grünes Shirt der Firma „Rehbock“, passend in meiner Größe und dazu noch reduziert gesichtet. Aus Supportersicht hat die Farbe Grün nach Gudruns Meinung Vorteile, da diese Farbe nicht ganz so häufig vertreten ist!

Allerdings waren dann doch einige grüne Shirts vertreten (hat sich der sichtbare Vorteil der grünen Shirts schon herumgesprochen?!?). Die Anzahl hielt sich aber noch in Grenzen!

Tja, der Lauf selbst war sehr schön und ich persönlich habe mich auch nicht selbst unter Druck gesetzt, um irgendwelche Bestzeiten zu laufen. Ab und an sah ich mal auf die Pulsuhr und versuchte, durch leichte Temporeduzierung und den kurzen Aufenthalten an den Erfrischungsständen den Puls etwas unter Kontrolle zu halten.

Ein-,  zweimal tauchte dann auch Gudrun wieder auf, um einige Fotos und natürlich auch die berühmten Videoaufnahmen meines genialen Laufstils für die Nachwelt zu erhalten ;-).

Bei Kilometer 21 ging es vorbei am wunderschönen Schloss Klink, das direkt an der Müritz gelegen ist. Dieses Schloss gehörte irgendwann einmal Karl-Eduard von Schnitzler, dem Macher vom „Schwarzen Kanal“.  „Der schwarze Kanal“ war die einzige DDR-Fernsehsendung mit offiziell genehmigtem „Westmaterial“. Greifswald hatte neben Dresden wegen des mangelnden Westempfangs den Titel „Tal der Ahnungslosen“ inne. Für mich als damaligen Greifswalder war die Sendung  aber somit die einzige Möglichkeit, irgendetwas vom feindlichen Westfernsehen zu gucken 😉 )

Nach einem weiteren Erfrischungsstand ging es ab in den Wald und hier wurde es auch bald ziemlich eng, denn der Wegweiser zum „Müritzseelauf“ wies auf einen Holzstapel. Hä, hier sollen wir lang???

Tatsächlich, eine ca. 30 cm breite Lücke zwischen Zaun und Holzstapel war da und weiter ging es im Crosslauf-Stil durch den Wald entlang eines schmalen Trampelpfades, der durch meine Vorläufer schwach als solcher zu erkennen war.

Ein heruntergefallener Ast hätte hier fast den Lauf für mich beendet, da ich den Ast zwischen die Beine bekam und mich gerade noch irgendwie „fangen“ konnte!

Nun näherte ich mich langsam Waren/Müritz und damit dem ersehnten Ziel. Ein Blick nach unter ließ mich zunächst etwas verwundern: auskristallisiertes Salz an den Beinen ließen die Beine ziemlich weiß erscheinen. Das habe ich bislang noch nicht erlebt. Zum Glück war kein Spiegel in der Nähe,  vielleicht sah ich schon aus wie ein Schneemann L!

Die letzten Meter bis ins Ziel wollte ich dann einfach nur nochmal genießen und ich stellte mir vor, dass „nur“ noch ein Drittel bis zum Marathon fehlen würden. Tja mal sehen…

Über den Zielstrich ging es dann für mich nach 2:31:01 h und ich kann damit auf Platz 51 der Gesamtwertung!

Gudrun hatte gerade noch die Ankündigung meines Zieleinlaufs von Weitem gehört und mich sozusagen um Sekunden verpasst.

Nach dem Lauf ging es dann noch schnell zum Duschen, Umziehen und Nudelessen. Die Siegerehrung mit Mocki warteten wir noch ab. Nach der Siegerehrung begaben wir uns in Richtung Auto, ebenso wie Mocki. Da wir uns auf dem Weg in die gleiche Richtung befanden, fragte ich sie, ob wir mal ein Foto mit ihr machen können… Ganz unkompliziert sagte sie zu und schon hatten wir eine schöne Erinnerung an diesen Lauf: Edge-Bert, Gerlind und ich mit Mocki auf einem Foto zusammen! Mocki ist wirklich super-sympathisch!

Dann wollten Edge-Bert und ich uns noch um die Reparatur des Bowdenzuges kümmern, denn so eine Kleinigkeit, da war ich mir sicher, bekommt Mann alleine hin. Am Nachmittag stand Teil 2 des Tagesprogramms an, der traditionsreiche Rostocker Triathlon, nunmehr in der 28. Auflage. Gerlind wurde auch schon langsam ungeduldig, denn sie war beim Triathlon als Helfer eingeteilt und hatte dort einen Verpflegungspunkt zu betreuen. 15:30 Uhr sollt sie zur Einweisung da sein. Das sollte ja zu schaffen sein, in 1,5 h nach Warnemünde über die A 19 und A 20 zu kommen. Unser Berlingo, der ja in Waren geparkt war, sollte ja mit etwas Pflaster was ich ansonsten für das abkleben empfindlicher Körperteile (siehe Laufsau) verwende, wieder flott zu kriegen sein…

Edge-Bert versorgte mich dann doch noch mit etwas derberem Klebeband und Plastikschellen – damit auch nichts mehr schief gehen kann ;-). Nachdem ich ja schon mit der Mechanik des Berlingo (kurz Berli) bestens vertraut war sollte es für mich also kein Problem sein diese Reparatur selbst durchzuführen. Nach ca. 20 Minuten hatte ich dann also Pflaster, Klebeband und Plastikschellen fest verankert und unserer Heimfahrt sollte nichts mehr im Wege stehen.

Allerdings hielt diese geniale Konstruktion nur bis Ortseingang Klink 😉 ! Ein weiterer Versuch der Reparatur hielt danach bis Ortsmitte Klink… So langsam verstrich die Zeit. 15.30 Uhr Warnemünde war beim besten Willen nicht mehr zu halten…

Nun half es nichts mehr. Gudrun rief den ADAC an und nach einer guten halben Stunde war das Problem gemeinsam mit dem netten ADAC-Mann und Zweikomponentenkleber gelöst und die Fahrt konnte weitergehen. Gerlind hatte indessen schon alle Hoffnung  aufgegeben, noch rechtzeitig an den Wasserstand in Warnemünde zu kommen. Doch dies in einem weiteren Bericht…

1 Kommentar zu “Müritz-Lauf (Städte-Lauf) von Röbel nach Waren am 21.08.2010

  1. Hallo Fred
    das gibt bein Berlin-Marathon eine Zeit vonunter 4 Stunden
    Gratulation
    Micha

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